Tief unter der Oberfläche des Pazifiks verbirgt sich eine Struktur, die alle bisherigen wissenschaftlichen Maßstäbe sprengt. Diese gigantische „Metropole“ aus hydrothermalen Kratern zwingt Forscher dazu, die Entstehung des Lebens auf der Erde völlig neu zu bewerten.
Das Kunlun-System: Eine Entdeckung der Superlative
Im Herzen des Pazifischen Ozeans hat ein Team von Wissenschaftlern ein Feld entdeckt, das als Kunlun getauft wurde. Diese gewaltige Ansammlung von Kratern befindet sich etwa 80 Kilometer westlich des Mussau-Grabens auf der Karolinenplatte, nördlich von Papua-Neuguinea. Um es kurz zu machen: Wir haben so etwas noch nie zuvor gesehen.
- Die Gesamtfläche beträgt beeindruckende 11 Quadratkilometer.
- Damit ist das Feld über 100-mal größer als das berühmte „Lost City“-Hydrothermalfeld im Atlantik.
- Das Areal umfasst 20 kreisförmige Krater, von denen einige einen Durchmesser von über einem Kilometer haben.
- Die Kraterwände ähneln sogenannten Kimberlit-Schloten und erreichen Tiefen von bis zu 130 Metern.
💡Meeresbiologe: Diese Strukturen sind nicht nur geologisch faszinierend, sondern fungieren als riesige chemische Reaktoren. In der Tiefsee ist Wasserstoff die „Währung“ des Lebens, und Kunlun produziert davon mehr als fast jeder andere Ort auf unserem Planeten.
Ein geologisches Kraftwerk mit globaler Wirkung
Hydrothermale Systeme entstehen, wenn Meerwasser in die Erdkruste eindringt, sich am Erdmantel erhitzt und mineralgesättigt wieder ausgestoßen wird. Kunlun ist jedoch kein gewöhnliches Feld. Die schiere Menge an ausgestoßenem Wasserstoff ist atemberaubend.
1. Die Produktion erreicht laut der Fachzeitschrift Science Adviser jährlich 4,8 × 10¹¹ Mol.
2. Das entspricht mehr als 5 % des geschätzten weltweiten Gesamtaufkommens an submarinem Wasserstoff.
3. Bisher dachte man, solche Mengen konzentrieren sich nur an den mittelozeanischen Rücken.
4. Kunlun beweist, dass gigantische Energiequellen auch abseits der bekannten Pfade existieren.
Die Wiege des Lebens im Pazifik
Eine der spannendsten Thesen der Biologie besagt, dass das Leben in solchen hydrothermalen Systemen entstanden sein könnte. Der konstante Fluss von Wasserstoff und Mineralien bietet ideale Bedingungen für primitive chemische Prozesse. Kunlun bietet hierbei einen entscheidenden Vorteil: Stabilität. Im Gegensatz zu kleineren Feldern konnte dieser Prozess hier über riesige Zeiträume ungestört ablaufen. Boom. So entstehen Ökosysteme.
Leben in der ewigen Finsternis
Trotz der extremen Bedingungen wimmelt es in dieser Unterwasser-Metropole von Leben. Mit dem Tauchboot Fendouzhe konnten Forscher eine faszinierende Fauna beobachten:
- Tiefseekrabben und Garnelen
- Anemonen in riesigen Kolonien
- Röhrenwürmer, die direkt von der Chemie des Wassers leben
Diese Lebewesen nutzen die Chemosynthese. Sie gewinnen Energie nicht aus dem Sonnenlicht, sondern aus chemischen Reaktionen. Ehrlich gesagt ist das die perfekte Vorlage für die Suche nach außerirdischem Leben auf Eismonden wie Europa oder Enceladus.



