Allein in fremden Gewässern: Die traurige Geschichte des Wals Timmy

Allein in fremden Gewässern: Die traurige Geschichte des Wals Timmy

Ende März 2026 spielte sich vor der deutschen Küste eine Geschichte ab, die die ganze Welt mitverfolgte. Ein Buckelwal strandete immer wieder in der Ostsee – und jedes Mal, wenn es so aussah, als sei er gerettet, kehrte er zurück. Die Rettungsaktion kostete 100.000 Euro und blieb erfolglos. Mehr dazu im Bericht von TASS

Strandung um Strandung

Timmy wurde erstmals am 3. März 2026 vor der deutschen Küste gesichtet. Der etwa 15 Tonnen schwere Buckelwal befand sich in der Ostsee – zu flach für diese Tiere. Am 23. März steckte er auf einer Sandbank bei der Gemeinde Timmendorfer Strand fest. Von deren Namen erhielt das Tier den Spitznamen Timmy. Am 26. März trafen zwei Bagger am Unfallort ein, die neben dem Wal eine Rinne gruben. Am nächsten Tag schwamm das Säugetier aus eigener Kraft ins offene Meer, und es schien, als sei die Geschichte gut ausgegangen.

Doch am 28. März kehrte Timmy zurück – erneut gestrandet, diesmal in der Wismarer Bucht. Deutsche Tierschützer beschlossen, keine weiteren Rettungsaktionen durchzuführen, um dem Tier die Möglichkeit zu geben, sich aus eigener Kraft zu befreien. Dabei wurden Boote entsandt, um seinen Zustand zu beobachten, und die Wasserpolizei hielt Bereitschaft. Am 29. März verschlechterte sich der Zustand des Wals jedoch erheblich, berichtete der Leiter des Deutschen Meeresmuseums, Professor Burkard Baschek. Um den Aufenthaltsort des Tieres wurde eine Sicherheitszone mit einem Radius von 1 km eingerichtet.

Am 31. März blieb Timmy bei einem erneuten Versuch, in die Tiefe zu schwimmen, erneut im Flachwasser bei der Insel Pöl stecken.

„Er ist von seiner Route abgewichen. Er ist nach rechts abgebogen und in die Bucht des Kirchsees geschwommen. Und dort sitzt er nun fest“, beschrieb der Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Til Bakhaus, das Geschehen.

Ein aussichtsloser Kampf

Am 1. April wurde klar, dass es sinnlos war, weiterzumachen. Die Rettungsversuche wurden eingestellt, man beschloss, das Tier in Ruhe zu lassen. Um ihn herum wurde eine 500 Meter breite Sperrzone eingerichtet. „Wir haben alles getan, um ihm eine Chance zu geben. Das ist eine einzigartige Tragödie. Aber das ist seine Entscheidung“, sagte Backhaus.

Die Experten gingen davon aus, dass Timmy im Sterben lag – er hatte die Orientierung verloren und war merklich geschwächt. Seine Atmung war unregelmäßig, teilweise mit Abständen von mehr als vier Minuten. Die Brustflossen waren an den Körper gedrückt. „Die Reaktion auf Menschen, auf unsere Anwesenheit, war praktisch gleich null“, bemerkte Baschek.

Dabei sank der Wasserstand in der Bucht weiter um 10–15 cm, der Körper des Wals ragte immer mehr aus dem Wasser. „Wir hätten ihn so intensiv anschieben müssen, dass es sinnlos gewesen wäre, da er keine Kraft mehr hatte. Die Erfolgsaussichten sind so gering, dass wir dies als reine Quälerei des Tieres angesehen hätten“, stellte Baschek fest und fügte hinzu, dass der Wal am Morgen eine letzte Chance gehabt habe, diese aber „nicht nutzen konnte“.

„Der Grundsatz der maximalen Ruhe und des Respekts vor der Natur gebietet uns, ihn irgendwann einfach gehen zu lassen“, schloss der Professor.

Am 2. April teilte Klaus Tantzen, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern, mit, dass sich der Wal „über Nacht nicht von der Stelle bewegt“ habe. Die vor Ort tätigen Ökologen bestätigten dabei, dass das Tier noch atmet.

Nach seinem Tod wird Timmy ins Schifffahrtsmuseum in Stralsund gebracht. „Nicht wegen des Skeletts, sondern um zu untersuchen, woran er gestorben ist. Es geht um die wissenschaftliche Erforschung der Todesursache“, erklärte Bachhaus.

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