Entstellte Hirsche mit grotesken, golfballgroßen Wucherungen versetzen Wanderer und Jäger in den US-Bundesstaaten New York, Michigan und Wisconsin derzeit in helle Aufregung. Was auf Social Media oft als „Zombie-Krankheit“ oder „Frankenstein-Wild“ viral geht, entpuppt sich bei genauerer wissenschaftlicher Betrachtung als ein bekanntes, wenn auch optisch erschreckendes virales Phänomen.
Die Ursache: Das Hirsch-Papillomvirus
Machen wir uns nichts vor, der Anblick ist nichts für schwache Nerven. Experten für Wildtierökologie haben die Ursache jedoch längst identifiziert: Es handelt sich um Hautfibrome, die durch ein artspezifisches Papillomvirus ausgelöst werden. Diese Wucherungen werden im Volksmund oft als „Hirschwarzen“ bezeichnet.
Hier sind die wichtigsten Fakten zu den Tumoren:
- Die Wucherungen sind in der Regel benigne (gutartig) und beschränken sich auf die Haut.
- Häufig betroffene Stellen sind das Gesicht, der Hals und die Vorderläufe.
- Die Größe variiert von kleinen Punkten bis hin zu massiven Klumpen, die die Sicht behindern können.
- In extremen Fällen können Fibrome an Augen oder Maul die Nahrungsaufnahme erschweren, was indirekt zum Tod führen kann.
💡Wildtierbiologe: Im Jahr 2026 ermöglichen uns mobile Gensequenzierer, diese Viren direkt im Feld zu identifizieren. Wichtig zu wissen: Die Infektion bleibt oberflächlich und dringt bei gesundem Immunsystem fast nie in das tieferliegende Muskelgewebe ein.

Infektionswege: Wie verbreitet sich die Krankheit?
Einfach ausgedrückt: Die Natur ist manchmal ziemlich klebrig. Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt zwischen den Tieren oder über kontaminierte Vegetation. Aber auch kleine Helfer spielen eine große Rolle.
Die Hauptüberträger sind:
1. Stechmücken und Fliegen, die den Erreger von Tier zu Tier tragen.
2. Zecken und Flöhe, die besonders in den warmen Monaten aktiv sind.
3. Abrieb an Bäumen, wenn Hirsche ihr Geweih fegen oder sich scheuern.
Ehrlich gesagt ist das Ganze nichts Neues. Erste Aufzeichnungen über diese deformierten Hirsche stammen bereits aus den 1950er Jahren. Dass die Aufregung heute so groß ist, liegt schlicht an der Geschwindigkeit, mit der Fotos in sozialen Netzwerken geteilt werden. Boom. Sofort entstehen Mythen über Mutationen, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren.
Besteht eine Gefahr für Menschen oder Haustiere?
Die wohl brennendste Frage für Jäger und Outdoor-Fans: Ist das Fleisch noch essbar? Die zuständigen Wildtierbehörden der USA geben hier Entwarnung. Das Virus ist hochgradig spezies-spezifisch. Das bedeutet, es kann nicht auf Menschen, Hunde oder Katzen übertragen werden.
Dennoch sollten Jäger folgende Regeln beachten:
- Jedes erlegte Tier muss einer genauen Sichtprüfung unterzogen werden.
- Fleisch sollte nur konsumiert werden, wenn das Tier ansonsten einen fitten Eindruck machte.
- Bei Anzeichen von Sekundärinfektionen oder Eiter an den Fibromen ist vom Verzehr abzuraten.
- Die Wucherungen selbst sollten beim Häuten großzügig entfernt und nicht verarbeitet werden.
Ähnliche Fälle wurden übrigens auch bei Baumwollschwanzkaninchen beobachtet, die schwarze, hornartige Auswüchse entwickelten. Auch hier gilt: Optisch gruselig, biologisch aber eine isolierte Angelegenheit.



