Ein einsamer Astronaut kämpft auf dem Mars ums Überleben, indem er seine eigenen Exkremente als Dünger nutzt – was 2015 im Kinofilm „Der Marsianer“ noch reine Fiktion war, wird jetzt zu einer handfesten wissenschaftlichen Roadmap. Forscher der Universität Alcalá haben ein revolutionäres Konzept präsentiert, das nicht auf Fäkalien, sondern auf der cleveren Nutzung von marsianischem Gips basiert.
Das Gift im Regolith: Warum Mars-Salate bisher ein Todesurteil waren
Hand aufs Herz: Der Marsboden ist eigentlich eine chemische Todesfalle. Die Oberfläche ist mit Regolith bedeckt, einem feinen Staub, der extrem hohe Konzentrationen an Perchloraten enthält.
- Perchlorate sind für Menschen hochgradig toxisch.
- Sie zerstören die Funktion der Schilddrüse.
- Pflanzen, die in diesem Staub wachsen, reichern Gifte und Schwermetalle an.
- Sandstürme verteilen diese Giftstoffe über den gesamten Planeten.
Einfach gesagt: Wer dieses Gemüse isst, wird nicht lange überleben. Aber die Wissenschaft hat ein Schlupfloch gefunden.
Die Gips-Lösung aus dem hohen Norden des Mars
Die Forschungsgruppe um Miguel de Luis López setzt auf eine ganz bestimmte Region: Olympia Undae. Dieses riesige Dünenfeld in der Nähe des Nordpols ist reich an Gips.
Warum ist das der Gamechanger? Der dortige Polarwirbel fungiert als eine Art atmosphärisches Schutzschild. Er verhindert durch ein komplexes Windsystem, dass giftige Substanzen aus anderen Breitengraden in dieses Gebiet gelangen. Hier könnte ein sicheres Substrat für die erste extraterrestrische Landwirtschaft liegen.
Gypsophyten: Die botanischen Überlebenskünstler
Die Forscher schlagen vor, mit sogenannten Gypsophyten (Gips-Pflanzen) zu experimentieren. Diese Spezialisten haben auf der Erde gelernt, unter extremen Bedingungen zu gedeihen.
1. Wasserextraktion: Diese Pflanzen können Wasser direkt aus den Kristallstrukturen des Gipses ziehen.
2. Genetische Anpassung: Mittels CRISPR-Cas9 wollen Wissenschaftler die Robustheit dieser Pflanzen auf Nutzpflanzen wie Weizen oder Reis übertragen.
3. Preadaption: Da Gypsophyten bereits an trockene, mineralreiche Böden angepasst sind, ist der Schock durch die Mars-Umgebung geringer.
„Plants First“ lautet die Devise. Erst wenn das Grünzeug überlebt, folgen die Menschen. Das ist keine Science-Fiction mehr, sondern eine biologische Notwendigkeit.



