In einer kleinen Werkstatt in Saladillo geschieht gerade etwas Unfassbares: Feuchter Kaffeesatz und staubige Mate-Reste verschmelzen mit Altplastik zu High-End-Design. Diese „Material-Alchemie“ beweist, dass unser täglicher Abfall die wertvollste Ressource der Zukunft ist.
Luciano Bochicchio, der kreative Kopf hinter dem Label Marote, beobachtete in einer Cafeteria, wie eimerweise Kaffeesatz einfach entsorgt wurde. Machen wir uns nichts vor: Die meisten halten das Zeug nur für Dünger oder lesen daraus die Zukunft. Er sah darin jedoch das Rückgrat für eine neue Generation von Produkten. Er packte den Matsch ein, experimentierte in seiner Werkstatt und schuf ein Material, das Farbe, Textur und Charakter ohne künstliche Pigmente vereint.
So funktioniert die Material-Alchemie
Ehrlich gesagt, klingt die Mischung simpel, aber die Technik dahinter ist Präzisionsarbeit. Marote nutzt recycelte Big Bags aus dem Baugewerbe als Basis. Diesem extrem widerstandsfähigen Kunststoff wird der getrocknete Kaffeesatz oder das Mate-Pulver beigemischt.
- Kaffeesatz & Yerba Mate dienen als natürliche Füllstoffe und organische Farbstoffe.
- Keine künstlichen Pigmente: Die erdigen Töne stammen direkt aus der Natur.
- Einzigartige Maserung: Jedes Teil ist durch die unregelmäßige Verteilung der Fasern ein Unikat.
- Kreislaufwirtschaft: Das Endprodukt ist zu 100 % recycelt und hat eine eigene Geschichte.
Produkthighlights: Mehr als nur Deko
Kurz gesagt: Die Ästhetik versteckt ihre Herkunft nicht, sie feiert sie. Das Flaggschiff des Unternehmens sind Brillengestelle, die nach ISO-Normen zertifiziert sind. Das zeigt, dass Recycling-Materialien selbst höchste technische Anforderungen erfüllen können.
- Lifestyle-Produkte: Notizbücher, Agenden und Schreibunterlagen mit haptischer Bio-Oberfläche.
- Home-Accessoires: Seifenschalen, Blumentöpfe und Kerzenständer mit natürlicher Textur.
- Tech-Zubehör: Robuste Halterungen für Smartphones und Notebooks.
- B2B-Sektor: Große Namen wie Coca-Cola, Nestlé und Adidas nutzen diese Objekte bereits für ihre Nachhaltigkeitsstrategien.
Soziales Engagement und Impact
Das Projekt ist ein Paradebeispiel für den sogenannten Triple-Impact: ökologisch, sozial und ökonomisch. Marote produziert monatlich zwischen 8.000 und 10.000 Einheiten. Besonders beeindruckend finde ich, dass sie Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsprozess integrieren und Schülern technischer Schulen Praktika anbieten.
In speziellen Workshops können Teilnehmer sogar selbst Hand anlegen. Mit der sogenannten „Recicleta“ – einem Fahrrad, das Plastikdeckel schreddert – und einer manuellen Einspritzmaschine entstehen direkt vor Ort neue Schlüsselanhänger. Das ist Handwerk zum Anfassen. Es zeigt ohne Umwege, dass Müll nur eine Frage der Perspektive ist. Zack, neues Leben eingehaucht.



