Verstecktes Risiko im Supermarkt: Wie Fertigpizza & Co. still das Lungenkrebs-Risiko erhöhen können

Viele Deutsche denken bei Lungenkrebs sofort an Rauchen – und liegen damit nur halb richtig. Neue Daten aus den USA deuten darauf hin, dass ein anderer Alltagsfaktor eine viel größere Rolle spielt, als bisher angenommen: hochverarbeitete Lebensmittel, wie sie in jedem Supermarkt in Berlin, München oder Köln in ganzen Regalreihen stehen.

Wenn die Tiefkühlpizza wichtiger wird als die Zigarette – etwas, das viele unterschätzen

Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Thorax, hat die Ernährung von über 100.000 Erwachsenen über rund 12 Jahre verfolgt. Ausgewertet wurden Teilnehmende eines großen Krebsvorsorge-Projekts in den USA, vergleichbar mit langfristigen Gesundheitsstudien des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Das Muster ist deutlich: Menschen, die am meisten Ultraverarbeitetes essen, hatten ein um etwa 40 % höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als jene mit dem geringsten Konsum. Besonders betroffen war der häufigste Typ, das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom.

Dazu zählen Produkte, die in deutschen Haushalten längst Alltag sind:

Fertigpizzen, Würstchen und Wurstaufschnitt, gezuckerte oder künstlich gesüßte Softdrinks, Frühstücksflakes, Tütensuppen, Snacks, Eiscreme, Backwaren aus der Fabrik.

Der heikle Punkt: Viele dieser Produkte gelten als „praktisch“, „normal“ oder sogar „leicht“ – vor allem, wenn sie mit Claims wie „light“, „proteinreich“ oder „ohne Zuckerzusatz“ werben. Die Studie zeigt aber, dass es nicht nur um Kalorien oder Gewicht geht, sondern um chemische Prozesse und Zusatzstoffe, die bei der Herstellung und beim starken Erhitzen entstehen können.

Verstecktes Risiko im Supermarkt: Wie Fertigpizza & Co. still das Lungenkrebs-Risiko erhöhen können

Der Fehler im Alltag, den viele machen – gerade wenn „eigentlich alles okay“ wirkt

Ein Moment der Wiedererkennung: Wenn dein Tag so aussieht, bist du im Risiko-Bereich – auch ohne Zigarette in der Hand:

  • Frühstück: gezuckerte Cerealien oder „Fitness“-Müsli aus der Packung
  • Mittag: Currywurst an der Imbissbude oder Aufbackbrötchen mit Wurstaufschnitt
  • Nachmittag: Energydrink oder Softdrink „Zero“
  • Abend: Tiefkühlpizza, Lasagne oder Chicken Nuggets aus dem Ofen

Die Forschenden betonen zwar, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt – sie beweist also keine eindeutige Ursache-Wirkung. Aber der Zusammenhang bleibt bestehen, selbst wenn man Rauchen, Alter, Gewicht und andere Faktoren mitberechnet.

Problematisch sind laut Studie vor allem:

  • Nährstoffarme Rezepturen mit viel Zucker, Salz, gesättigten Fetten
  • Zusatzstoffe und Konservierungsmittel, deren Langzeitwirkung teils unklar ist
  • Schadstoffe aus der Verarbeitung, etwa Verbindungen wie Acrolein, die auch im Tabakrauch vorkommen und beim starken Erhitzen von Würstchen oder bestimmten Süßwaren entstehen können
  • Verpackungsmaterialien, aus denen Chemikalien in das Essen übergehen können

Das Statistische Bundesamt weist seit Jahren darauf hin, dass der Anteil verarbeiteter Produkte im deutschen Warenkorb stetig wächst – ein stiller Trend, der das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen gleichzeitig nach oben treiben kann (siehe destatis.de).

Was du jetzt konkret ändern kannst – ohne dein ganzes Leben umzukrempeln

Du musst nicht von heute auf morgen perfekt kochen. Aber schon kleine, konsequente Verschiebungen weg von Ultraverarbeitetem können einen Unterschied machen. Ein praktischer Schnell-Check beim Einkauf:

Wenn mehr als drei dieser Punkte zutreffen, ist das Produkt sehr wahrscheinlich ultraverarbeitet:

  • sehr lange Zutatenliste mit vielen E-Nummern oder Fachbegriffen
  • Begriffe wie „Aroma“, „Stabilisator“, „Emulgator“, „Geschmacksverstärker“
  • es sieht nicht mehr aus wie ein erkennbares Lebensmittel (z. B. Formfleisch, Nuggets, „Crème“ statt Joghurt)

Im Alltag hilft: öfter zu Basislebensmitteln greifen, die es in jedem Rewe oder Edeka gibt – frisches Obst und Gemüse, Naturjoghurt, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornbrot vom Bäcker, Fisch oder unverarbeitete Fleischstücke statt Wurst.

Die neue Studie sendet eine klare Botschaft: Nicht nur die Zigarette, auch der tägliche Griff ins Fertigregal kann dein Lungenkrebs-Risiko erhöhen. Wer Schritt für Schritt echten Lebensmitteln wieder mehr Platz auf dem Teller gibt, senkt nicht nur sein Krebsrisiko, sondern gewinnt Energie – lange bevor eine Diagnose im Raum steht.

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