Tief in der heute staubigen Afar-Senke stießen Archäologen auf die verblüffenden Überreste von drei frühen Homo sapiens. Diese 100.000 Jahre alten Funde beweisen eindrucksvoll, dass unsere Vorfahren nicht in einer kargen Wüste, sondern in einem wasserreichen, schattigen Urwald überlebten.
Ein Zeitfenster in die Wiege der Menschheit
Ein internationales Team unter der Leitung des äthiopischen Archäologen Yonas Beyene und Forschern von 25 Institutionen hat die Dawaitoli-Formation untersucht. Ehrlich gesagt, ist dieser Ort eine Goldgrube für die Wissenschaft. Hier, wo früher schon die berühmte „Lucy“ und der Ardipithecus ramidus entdeckt wurden, lieferten die neuen Ausgrabungen nun Details über das Mittlere Paläolithikum.
Die Ergebnisse, die kürzlich im Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurden, schließen eine riesige Datenlücke. Bisher war es extrem schwierig, präzise Informationen über die Mobilität und Technologie dieser frühen modernen Menschen in Afrika zu finden. Kurz gesagt: Dieser Fund ist ein absoluter Volltreffer für unser Verständnis der Evolution.
Was die Ausgrabung im Detail enthüllte
Die Forscher fanden nicht nur Knochen, sondern ein ganzes Archiv des Lebens. Die Fundstücke lagen teilweise so unberührt da, als wären sie erst gestern verlassen worden.
- Über 2.000 Steinwerkzeuge aus Obsidian und verschiedenen Vulkangesteinen.
- Überreste von drei Homo sapiens, die wertvolle anatomische Daten liefern.
- Insgesamt 3.365 Wirbeltierknochen, darunter auch Mikrofauna.
- Spuren von natürlichem Feuer, vermutlich ausgelöst durch Blitzeinschläge.
Die Steinwerkzeuge wurden wahrscheinlich direkt vor Ort hergestellt und nach kurzer Nutzung in der damaligen Schwemmlandschaft zurückgelassen. Das deutet auf eine hohe Mobilität der Gruppen hin. Sie blieben nie lange an einem Ort, waren aber Meister darin, die Ressourcen ihrer Umgebung zu nutzen.
💡Paläoanthropologe: Die Verwendung von Obsidian zeigt, dass unsere Vorfahren bereits vor 100.000 Jahren gezielt nach hochwertigem Vulkanglas suchten. Diese „Steinzeit-High-Tech“ ermöglichte extrem scharfe Schnitte, was für das Verarbeiten von Fleisch in einer bewaldeten Umgebung überlebenswichtig war.
Rätselhafte Todesfälle und ein verlorenes Ökosystem
Die Analyse der drei gefundenen Skelette wirft jedoch Fragen auf. Die Umstände ihres Todes sind fast schon ein prähistorischer Krimi. Eines der Individuen wurde sehr schnell von Sedimenten begraben – ob das Absicht oder ein Unfall war, bleibt ungeklärt. Ein anderes Skelett wies schwere Bissspuren von Raubtieren auf, während das dritte Skelett Spuren von extrem hoher Hitzeeinwirkung zeigte.
Tatsache ist, dass die Afar-Region damals alles andere als eine Einöde war. Die Sedimente belegen ein bewaldetes Ökosystem mit reichlich Schatten und Wasserzugang. Es war ein ideales Habitat, das Schutz vor der prallen Sonne bot und genügend Nahrung für die frühen Jäger und Sammler bereitstellte.



